Gottfried Benn: “In Palau”

door Prachtige Pjotr

“Rot ist der Abend auf der Insel von Palau und die Schatten sinken –
singe, auch aus den Kelchen der Frau läßt es sich trinken,
Totenvögel schrein und die Totenuhren pochen,
bald wird es sein Nacht und Lemuren.

Heiße Riffe.
Aus Eukalypten geht Tropik und Palmung,
was sich noch hält und steht,
will auch Zermalmung bis in das Gliederlos,
bis in die Leere,
tief in den Schöpfungsschoß dämmernder Meere.

Rot ist der Abend auf der Insel von Palau
und im Schattenschimmer hebt sich steigend aus Dämmer und Tau:
“niemals und immer”,
alle Tode der Welt sind Fähren und Furten,
und von Fremden umstellt auch deine Geburten –

einmal mit Opferfett auf dem Piniengerüste
trägt sich dein Flammenbett wie Wein zur Küste,
Megalithen zuhauf und die Gräber und Hallen,
Hammer des Thor im Lauf zu den Asen zerfallen –

wie die Götter vergehn und die großen Cäsaren,
von der Wange des Zeus emporgefahren –
singe, wandert die Welt schon in fremdestem Schwunge,
schmeckt uns das Charonsgeld längst unter der Zunge.

Paarung. Dein Meer belebt Sepien, Korallen,
was sich noch hält und hebt, will auch zerfallen,
rot ist der Abend auf der Insel von Palau,
Eukalyptenschimmer hebt in Runen aus Dämmer und Tau:
niemals und immer.

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